Island – Highlights im Norden

Von Kurzbesuchern, die aus Reykjavik mit Bussen gefahren werden, bleibt man im Norden Islands weitgehend verschont. Trotzdem sind insbesondere die Locations in Ringstraßennähe gut besucht. Je weiter man sich von Islands Straße Nr. 1 entfernt, desto leerer wird es. An einigen Orten hatten wir das Glück fernab anderer Touristen und ganz für uns allein zu sein. Landschaftlich ist der Norden ebenfalls ausgesprochen schön. Auf grünen Wiesen grasen entweder Schafe oder Pferde, Fjorde, die von mächtigen, schneebedeckten Bergen umrahmt sind. Vulkane, Geothermalgebiete und sprudelnde Flüsse mit Wasserfällen sind ebenfalls im Norden zu finden.

Akureyri und der Eyjafjörður

Akureyri ist so etwas wie die Hauptstadt des Nordens. Mit gerade einmal rund 19.000 Einwohnern ist es nicht mehr als ein Städtchen, aber mit Abstand der größte Ort in dieser Region. Akureyri hat aber allemal Flair, ein Bummel durch die kleine Fußgängerzone mit einem chill-out in einem der schönen Cafés ist immer eine gute Idee. Die Stadt am Ende von Islands längstem Fjord, dem Eyjafjörður, wird unter normalen Umständen auch von Kreuzfahrtschiffen angefahren. Dieses Spektakel, bei dem das beschauliche Städtchen wahrscheinlich regelrecht überschwemmt wird, ist uns im „Corona-Sommer 2020“ glücklicherweise erspart geblieben.

Rund um den Eyjafjörður bieten sich eine Menge Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung an. Neben klassischen Aktivitäten auf dem Wasser wie Kajaken, Tauchen oder Whale Watching, kann man am Fjord ausgezeichnet wandern und reiten. Die Kulisse vor den Bergriesen ist einfach grandios. Im Schein der Sonne (wenn sie sich denn zeigt) leuchtet das Wasser der Grönlandsee bzw. des Nordpolarmeeres in einem strahlenden Cobaltblau, dass es einem den Mund offen stehen lässt. Zu später Stunde lohnen sich kleine Spaziergänge, insbesondere wenn der Sonnenuntergang die schönsten Farben an den Abendhimmel zaubert.

Rund um den Mývatn

Vom Vulkanismus geprägte Orte findet man vor Allem in der Region des Sees Mývatn, wo sich ähnlich wie in Thingvellir, die Grenze der Kontinentalplatten befindet. Das Vulkansystem Krafla hat hier einige sehenswerte und sehr interessante Naturschauplätze hinterlassen.

In dem Hochtemperaturgebiet Hverir, kommt man sich vor wie auf dem Mond. Vegetation gibt es hier nicht und die Erde hat eine gelblich und bräunliche Farbe. In Hverir wimmelt es von kochenden Schlammtöpfen und Gasaustrittsstellen. Ein intensiver Schwefelgeruch hängt in der Luft. Als kurze Rundwanderung bietet es sich an, über den Bergrücken des Námafjall zu gehen. Vom Gipfel aus hat man dort eine tolle Rundumsicht auf Hverir und die Mývatn Region. Bei Nässe wird vor dem Aufstieg allerdings gewarnt, da der Weg dann schlammig und extrem rutschig wird.

Wenn man von Hverir wenige Kilometer nach Norden fährt, kann ich eine weitere schöne Wanderung auf den Vulkan Leirhnjúkur empfehlen. Der Aufstieg vom Parkplatz aus ist sehr einfach. Die Steigung ist gering und der Weg führt teilweise über Holzstege, so dass man auch bei nassem Wetter problemlos auf den Gipfel kommt. Im Anschluss kann man noch durch das riesige Lavafeld spazieren. Die bunten Farben des Gesteins und austretender Dampf sind wahre Hingucker. Man sollte jedoch unbedingt auf den Wegen bleiben, da einige Stellen noch immer sehr heiß sind. Wer danach noch Lust hat, kann noch einen Abstecher zum nahgelegenen Maar Víti machen, das mit einem türkisblauen Wasserspiegel lockt.

 

Im Nordosten des Mývatn gibt es zwei mit Wasser gefüllte Grotten. Die bekanntere der beiden Grotten, die Grjótagjá befindet sich auf privatem Gelände. Daher darf man darin nicht mehr baden, außerdem ist die Wassertemperatur durch jüngere Aktivitäten der Krafla angeblich zu heiß geworden.

Im Inneren der Grjótagjá

Doch besichtigen darf man die Grjótagjá, und das lohnt sich auch. Im Lichteinfall schimmert das Wasser in der Höhle in sehr schönen Blautönen. In der weniger bekannten Stóragjá ist das Baden offiziell erlaubt. Der Zu- und Einstieg erfolgt über Treppen und ein Halteseil. Das Wasser hat zwar keine typische Hotpod-Temperatur, ist mit etwa 28 °C aber noch recht angenehm. Weniger angenehm ist allerdings der Geruch bei der Grotte. Da sie etwas verwinkelt und versteckt liegt, wird der Bereich am Einstieg wohl leider von einigen Besuchern für menschliche Hinterlassenschaften missbraucht.

Eine weitere Wanderung hatten wir durch das Lavafeld Dimmuborgir und auf den Hverfjall geplant. Aus Zeitgründen mussten wir diese aber leider streichen. Den Hverfjall konnten wir zumindest vom Gipfel des Námafjall aus der Ferne sehen.

 

Dettifoss und Hafragilsfoss

Ein Besuchermagnet im Norden ist definitiv der Dettifoss. In der Kombination aus Fallhöhe und Abflussmenge ist der Dettifoss der leistungsstärkste Wasserfall Europas. Es ist absolut beeindruckend, wenn man vor diesem tosenden Monster steht. Die Integration von Absperrungen und Aussichtsplattform in die Umgebung finde ich am Dettifoss recht gut gelungen. Noch viel schöner ist das Ambiente allerdings am wenige Kilometer flussabwärts gelegenen Hafragilsfoss. Der Hafragilsfoss ist ebenfalls ein sehr imposanter Wasserfall, der aber vollständig naturbelassen ist und es hoffentlich auch bleibt. An seiner nur zu Fuß zugänglichen Westseite gibt es weder Absperrungen noch Aussichtsplattformen. Als Besucher genießt man hier ungetrübte Blicke auf das wunderschöne Naturschauspiel

Der kürzeste und landschaftlich schönere Weg zum Hafragilsfoss führt direkt am Ufer des Flusses Jökulsá á Fjöllum entlang. Dieser ist allerdings teilweise sehr steil und nicht ungefährlich. Die steilste Stelle kann man mit Hilfe eines Sicherungsseils überwinden. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk sind hier unbedingt empfehlenswert. Da der Weg im weiteren Verlauf sehr sumpfig ist, sind wasserdichte Wanderstiefel nicht verkehrt.

Halbinsel Tröllaskagi

Die Halbinsel Tröllaskagi liegt zwischen dem Skagafjörður im Westen und dem Eyjafjörður im Osten. Der Reiseführer von Lonely Planet listet den Roadtrip um die Halbinsel unter den Top 14 Highlights in Island. Ich wage zu bezweifeln, dass er zu meinen Top 14 gehören wird, wenn ich denn mal „alles“ von Island kennen sollte. Lohnenswert und zu empfehlen ist die Rundreise aber allemal. Wir sind die Route gegen den Uhrzeigersinn gefahren und waren von Akureyri aus schnell auf der Straße 82 Richtung Dalvik. Nördlich von Dalvik entdeckten wir den Wasserfall Migandifoss, von dem wir bis dahin noch nichts wussten.

Auf dem Weg nach Siglufjörður ganz im Norden mussten wir durch drei spektakuläre Tunnel fahren. Teilweise sind diese einspurig mit Gegenverkehr. Das Anfahren der Ausweichbuchten erfordert von dem Fahrer ein gutes Timing. Nach dem letzten Tunnel wird man dann mit einem schönen Blick auf Siglufjörður belohnt. Es lohnt sich auf jeden Fall einen kleinen Rundgang durch den Ort zu machen, und ggf. das Heringsmuseum zu besuchen. Nach einem sehr guten Kaffee und einer leckeren Portion Fish & Chips setzten wir unsere Fahrt fort. An der Nordküste von Tröllaskagi empfing uns ein ordentlicher Sturm.

Schöne Fotomotive gibt es reichlich entlang der felsigen Küste. In Hofsós besuchten wir nachmittags ein ganz besonderes Schwimmbad. Das kleine Schwimmbecken wurde perfekt in den Fjord integriert. Gerade bei kühlen Außentemperaturen (wir hatten an dem Tag 12 °C) ist das Baden im 28 °C warmen Wasser äußerst angenehm und die Aussicht auf den Skagafjörður genial. Auf der Rückfahrt nach Akureyri begleiteten uns am Abend noch mehrere Regenbögen.

Husavik und Umgebung

Husavik hat sich zu der Hochburg des Whale Watching auf Island entwickelt. Nahezu jeder Tourist, der nach Husavik kommt, steigt auf ein Schiff und lässt sich hinaus auf die Grönlandsee fahren. In der Bucht vor dem kleinen Fischerdorf sollen sich angeblich besonders viele der Meeresriesen aufhalten. Wir haben in Husavik kein Whale Watching gemacht, sondern sind nur eine kleine Runde durch das Dorf gegangen und haben den Blick auf den Hafen, auf die Bucht und den Sonnenschein genossen.

Etwa 40 km südlich von Husavik an Straße 87 befindet sich ein weniger bekanntes Geothermalgebiet. Man kann sich dort einen kleinen geheimen Geysir ansehen und relativ günstig frisches Gemüse kaufen, das vor Ort in Gewächshäusern angebaut wird. Wer sich für isländische Geschichte und Architektur interessiert, kann sich noch ein historisches Grassodenhaus ansehen, das an der Straße 854 liegt.

Fazit:

Islands Norden hat uns sehr gut gefallen. Das von Feuer und Eis geprägte Land wird in dieser Region noch mit Fjorden und hohen schneebedeckten Bergen garniert. Neben den vielen Sehenswürdigkeiten sollte man diese einmalige Naturkulisse unbedingt erkunden.

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