Die Lavahöhle Raufarhólshellir

Lavahöhlen gibt es jede Menge in Island. Viele sind frei zugänglich, doch einige (meist die größeren) werden kommerziell genutzt. Diese sind dann nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung befahrbar*.

Entstehung

Lavahöhlen werden wegen ihrer länglichen Form auch Lavaröhren oder Lavatunnel genannt. Sie entstehen wenn ein Lavastrom mit geringer Viskosität an der Oberfläche erstarrt und sich dadurch ein krustenartiges Dach bildet. Darunter fließt der Strom weiter. Ist die Lava nach dem Ende einer Eruption abgeflossen, bleiben innerhalb des erstarrten Lavafeldes entsprechende Tunnel zurück.

Lavahöhlen auf Reykjanes

Mitten durch die Halbinsel Reykjanes, die im Südwesten von Island liegt, verläuft die Grenze der Nordamerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte. Daher gab und gibt es auf Reykjanes viel vulkanische Aktivität. Wenig überraschend haben sich daher auch gleich mehrere Lavahöhlen auf der Halbinsel gebildet.

The Lava Tunnel

Die größte davon ist die gut 5000 Jahre alte Höhle Raufarhólshellir, die unter dem Namen “The Lava Tunnel” vermarktet wird. Raufarhólshellir ist ca. 1300 Meter lang, bis zu 10 Meter hoch und erreicht eine Breite von bis zu 30 Metern. Ausgerüstet mit Überziehspikes für die Schuhsohlen, Helm und Stirnlampe schlossen wir uns einer Besichtigungsgruppe an. Nach einer kurzen Einweisung durch unsere Höhlenführerin ging es “unter Tage”. Beeindruckend sind nicht allein die Abmaße der Höhle, sondern vor allem das Farbenspiel. Die Decke und Wände des Tunnels schillern in mehrere Farbtönen, die Rückschlüsse auf die Oxide verschiedener chemischer Elemente zulassen. Neben dem typischen grau und braun lassen sich rote (Eisen), grüne (Kupfer) und gelbe (Schwefel) Gesteine beobachten.

Zudem ist die Decke von Raufarhólshellir in der Nähe des Eingangsbereiches an drei Stellen eingestürzt. Die einfallenden Lichtsäulen sorgen dort für eine sehr schöne natürliche Beleuchtung. Tiefer im Inneren wird es dann allerdings stockdunkel. Den Eindruck wie die Höhle ohne Beleuchtung wirkt, bekamen wir dann auch. Auf Kommando schalteten alle Teilnehmer der Führung die Stirnlampen aus. Für zwei Minuten herrschte totale Finsternis in der Höhle. Auch ohne meine dunklen Handschuhe konnte ich buchstäblich die Hand vor Augen nicht sehen.

Da wir Raufarhólshellir im Januar befahren* haben, konnten wir noch eine weitere Besonderheit bestaunen. Im Winter bilden sich dort wo Wasser in die Höhle eindringt, spektakuläre und bizarre Eisskulpturen. 

Lohnt sich der Besuch?

Bis vor ein paar Jahren war Raufarhólshellir für jeden Besucher frei zugänglich. Zu dieser Zeit hätte ich die Frage uneingeschränkt mit ja beantwortet. Mittlerweile ist der Tourismus jedoch der mit Abstand größte Wirtschaftszweig des Landes. Wo es geht, wird mit den Touristen Geld verdient. Das trifft mittlerweile auch auf den Besuch von Raufarhólshellir zu. Keine Frage, wie aus dem Text oben hervorgeht, ist die Besichtigung von “The Lava Tunnel” beeindruckend, interessant und spannend. Zudem bekommt man bei einer geführten Tour noch weitere Informationen über die Höhle. Ich finde jedoch das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmig. Das Preisniveau ist allgemein in Skandinavien und besonders in Island bekanntlich hoch. Trotzdem sind die Kosten von umgerechnet etwa 50 Euro für einen Erwachsenen einfach too much. 

Bereut haben wir den Besuch trotzdem nicht. Es war ein tolles Erlebnis und ein besonderes Geburtstagsgeschenk an mich selbst.

* Höhlen werden tatsächlich befahren, auch wenn man im eigentlichen Sinne geht, klettert oder kriecht

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