Prag – 4 Tage in der Goldenen Stadt

Reiseaktivitäten in den Osterferien waren in den letzten beiden Jahren aufgrund der Corona Pandemie nur sehr eingeschränkt möglich. Dieses Jahr war das glücklicherweise anders. Wir waren in der Karwoche endlich mal wieder auf Achse. Wie schon 2019, als wir in London waren, fiel unsere Wahl einmal mehr auf eine Städtereise. Unser Ziel war Prag, die Hauptstadt Tschechiens.

Anders als meine Begleiter, war es für mich nicht der erste Besuch in der Goldenen Stadt. 1992 kurz nach der Öffnung des Ostens war ich mit meinem Abi-Abschlussjahrgang in der Metropole an der Moldau. Außer der Karlsbrücke ist mir von damals allerdings nicht viel in Erinnerung geblieben.

Tag 1: Anreise und historische Altstadt

Von unserem Wohnort kann man Prag mit dem Auto in ca. 4 Stunden erreichen. Daher starteten wir ganz entspannt erst am späten Vormittag. Da sich der Verkehr auf der A2 bei Magdeburg aber leider wieder einmal staute, waren wir erst gegen 16:30 in unserem Hotel. Nachdem wir unser Zimmer bezogen und die Herausforderung der Parkplatzsuche erfolgreich gelöst hatten, erkundeten wir gleich die historische Altstadt. Der Altstädter Ring, der zentrale Platz der Altstadt, ließ sich von unserem Hotel in 10 Minuten fußläufig erreichen. Bestimmt wird der Platz durch die große Kirche St. Nikolaus aus dem Barock und dem Prager Rathaus.

Der Turm des Rathauses ist bekannt für seine berühmte astronomische Uhr aus dem 15. Jahrhundert. Neben der Zeit liefert die Uhr noch weitere Informationen, wie z. B. die aktuelle Mondphase, den Sonnenstand oder das Datum. Zu jeder vollen Stunden tanzen Figuren neben und über der Uhr. Man kann sich denken welch ein Auflauf von Touristen dieses Spektakel zu jedem Glockenschlag auslöst.

Uns zog es weiter Richtung Karlsbrücke. Die steinerne Brücke aus dem 14. Jahrhundert, die die Moldau auf einer Länge von etwa 500 Metern überspannt, ist eine der bekanntesten Brücken Europas. Die Popularität macht sie zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Prag. Wer keine Menschenansammlungen mag, sollte die Karlsbrücke besser nicht besuchen. Hier ist immer viel los, zu jeder Tageszeit.

Nachdem wir eine ganze Weile das schöne Wetter und die Abendsonne auf der Brücke genossen hatten, suchten wir uns ein Restaurant in der Altstadt. Nach dem langen Tag knurrte uns nun langsam der Magen. Anschließend schlenderten wir im mittlerweile nächtlichen Prag durch viele kleine Gassen zurück zum Hotel.

Tag 2: Schifffahrt auf der Moldau, Letná Park, Markthallen

Auf unseren zweiten Tag in Prag freuten wir uns schon. Zum einen hatten wir eine Fahrt mit dem Schiff auf der Moldau geplant, zum anderen versprach der Wetterbericht für heute Sonne satt und milde Frühlingstemperaturen.

Besichtigungen mit dem Schiff vom Fluss aus machen wir bei Städtetrips immer wieder gern. In Prag starteten wir an der Tschech Brücke im Norden der Altstadt. Zunächst ging stromaufwärts bis kurz hinter die Karlsbrücke. Nach einer Wende fuhr unser Schiff dann stromab bis kurz vor die Insel Stvanice. Nach einer weiteren Wende gelangten wir kurze Zeit später wieder an unseren Ausgangspunkt. Eine Stunde dauerte die Tour. Man lässt sich quasi buchstäblich treiben und sieht viele Sehenswürdigkeit nochmal aus einer anderen Perspektive.

Nach der Schifffahrt verließen wir das Prager Zentrum in Richtung Norden in den Stadtteil Letná. Unser Ziel war der gleichnamige Park. Der Besuch des Letná Parks ist ein sehr guter und lohnenswerter Tipp. Der Park liegt auf einem Hügel, ist großzügig angelegt und man hat einen grandiosen Blick über die Stadt.

Wir spazierten zwischen blühenden Bäumen auf die andere Seite des Parks. Als Fußballfans interessieren wir uns natürlich auch immer für lokalen Stadien und Arenen. Nördlich des Letná Parks befindet sich die Generali Arena, die Spielstätte von Sparta Prag. Nach einem kurzen Abstecher zum Stadion und in den Fanshop gingen wir zurück in den Park. In einem Biergarten mit exponierter Lage legten wir erstmal eine Mittagspause ein, genossen das sonnige Wetter und den Ausblick auf die Altstadt.

Nach der ausgiebigen Pause entfernten wir uns noch weiter vom Stadtzentrum. Wir liefen nördlich der Moldau etwa zwei Kilometer ostwärts bis ins Stadtviertel Maniny. Dort wollten wir uns die Prager Markthallen anschauen. Die Markthallen befinden sich auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs. Man sieht dem Areal seine historische Vergangenheit an. Die Gebäude wirken vielfach ein wenig heruntergekommen, aber insbesondere die Halle 22 lohnt einen Besuch. Hier gibt es alles von Käse über Gebäck, Fisch, Gewürze, sowie Obst und Gemüse. An einem Außenstand gönnten wir uns noch einen Milchkaffee, danach ging es mit der Straßenbahn zurück ins Hotel.

Nach dem Abendessen ließen wir den Tag bei einem weiteren Besuch der Altstadt ausklingen.

Tag 3: Zizkov, Metro, Brücke der Legionen, Schützeninsel, Prager Venedig

Der Bauernmarkt im Stadtviertel Zizkov war unsere erste Station an diesem Tag. Wir merkten schnell, dass wir besser erst gegen Mittag dort gewesen wären, denn die Gerüche von den vielen Essensständen waren sehr verlockend. Darüber hinaus wurden Backwaren, allerlei Klüngel und sehr guter Kaffee angeboten. Außer dem Bauernmarkt gibt es viele Bars, Kneipen und Restaurants in Zizkov, was das Viertel zu einer beliebten Wohngegend für Studenten und junge Familien macht. Auch der markante, 216 Meter hohe Fernsehturm befindet sich in Zizkov.

Mit der Metro ging es danach zurück ins Stadtzentrum. Metros und U-Bahnen wären in den meisten Städten keine Erwähnung wert, aber in Prag schon. Die Stationen liegen in Tschechiens Hauptstadt ungewöhnlich tief unter der Erde. Die Station Náměstí Míru ist mit 53 Metern die tiefste der Stadt und die zweittiefste der gesamten EU. Zu den Bahnsteigen gelangt man über gigantische Rolltreppen, die fast 90 Meter lang sind.

Unser nächstes Ziel war eine weitere Moldaubrücke. Ein Tipp für alle, denen der Touristenstress auf der Karlsbrücke zu viel ist: besucht die Brücke der Legionen. Sie befindet sich stromaufwärts in unmittelbarer Nachbarschaft zur Karlsbrücke, auf die man von dort aus einen schönen Blick hat. Außerdem führt eine Treppe hinunter auf die Schützeninsel, ein parkähnliches Idyll mit Bänken, Sportanlagen und viel Platz zum Chillen. Wir verbrachten mehr als eine Stunde dort, beobachteten das Treiben um uns herum, die vielen Tretboote auf der Moldau und tranken gutes tschechisches Bier in der Nachmittagssonne.

Anschließend schlenderten wir am linken Flussufer entlang bis zum Teufelskanal. Dieser künstlich angelegte schmale Wasserarm zweigt von der Moldau ab und bildet mit dieser die Insel Kampa. Das umgebene Viertel wird auch – vielleicht etwas übertrieben – Prager Venedig genannt.

 Tag 4: Radtour durch und um die Stadt

Wir hatten bereits viel gesehen von der Stadt und kein „Must“ mehr auf dem Zettel. Wir kamen daher auf die Idee uns Fahrräder zu mieten und ein Stück hinaus ins Umland zu fahren. Von unserem Vermieter bekamen wir einen schönen Tourenvorschlag, den wir gerne annahmen.

Über die vielbefahrene Straße Revolucni radelten wir zur Moldau und dann an deren rechten Ufer ostwärts. Schon nach 10 Minuten lag die Großstadt hinter uns. Im Grünen und auf gut ausgebauten Radwegen folgten wir einer großen Flussschleife bis nach Troja. In Troja ist der Prager Zoo beheimatet, der sehr schön und äußerst lohnenswert sein soll. Wir besuchten diesen allerdings nicht, sondern legten am Ufer der Moldau erst einmal eine kleine Pause ein.

Über eine große Fußgängerbrücke überquerten wir den Fluss und radelten durch den großen Park Královská obora Stromovka. Durch ein ruhiges Stadtviertel gelangten wir schließlich in den uns bereits bekannten Letná Park. Klar dass wir hier in „unserem Biergarten“ erneut eine längere Pause einlegten.

Anschließend ging es weiter zur Prager Burg, die wir aber nur umrundeten. Hinein wollten wir nicht – zu viele Menschen, zu viel „Disneyland“! Wir erklommen den bewaldeten Hügel Petrin, auf dem sich ein Aussichtsturm befindet, einem verkleinerten Nachbau des Pariser Eiffelturms. Am Osthang des Hügels fanden wir einen weiteren tollen Aussichtspunkt mit Blick auf die Burg und über die Altstadt.

Über die Karlsbrücke (zu Fuß schon eine Challenge, mit dem Fahrrad schier unmöglich) fuhren wir durch das jüdische Viertel und waren nach vier Stunden Fahrzeit zurück beim Fahrradverleih.

Am Abend fuhren wir mit der Metro in die Prager Neustadt. Wir schauten uns kurz das Dancing House an, ein modernes Doppelgebäude, das an ein Tanzpaar darstellt. Der steinerne Turm soll Fred Astaire symbolisieren und das Glasgebäude seine Partnerin Ginger Rogers. In einem lebendigen amerikanischen Restaurant, das überwiegend von Einheimischen besucht wird, fand unsere Pragreise bei Burger und Bier schließlich ein würdiges Ende.

Fazit

Einen Städtetrip nach Prag können wir uneingeschränkt empfehlen. Die Stadt ist lebendig, historisch und gleichzeitig jung. Kulturelles und Kulinarisches kommen ebenfalls nicht zu kurz. Prag lohnt sich!

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