Corona – Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Freiheit

Als ich angefangen habe diesen Artikel zu schreiben, habe ich immer wieder überlegt, ob dieses Thema überhaupt hierher passt. Ist ein Reise- und Outdoorblog die passende Plattform für einen Beitrag zur „Corona-Krise“? Doch, ist er! Denn zur Zeit beeinflussen die Auswirkungen massiv meine Aktivitäten, über die ich sonst hier berichte.

Seit einigen Wochen ist nahezu der gesamte Planet im Ausnahmezustand. In Deutschland gelten seit dem 22. März weitreichende Einschränkungen, die die Ausbreitung des Virus verzögern sollen. Die Bundesregierung hat unter Zeitdruck gehandelt und Maßnahmen ergriffen. Das Land befindet sich im Lockdown. Schulen und Kitas sind geschlossen, die Wirtschaft ist auf ein Minimum heruntergefahren, viele Geschäfte und die Gastronomie mussten schließen. Zudem gilt das bekannte Kontaktverbot.

Was diese Maßnahmen betrifft, gibt es nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker – und das ist selbstverständlich gut so! Wo kämen wir hin, wenn unsere Gesellschaft ausnahmslos aus kritiklosen Jasagern bestünde? Solange Kritik konstruktiv ist, und nicht in Verschwörungstheorien abdriftet, beschleunigt sie die Diskussionen und den Prozess zu einer Exitstrategie. Denn eines steht fest. Sehr lange werden wir diesen drastischen Lockdown nicht aushalten. Er mag bezogen auf das Coronavirus Leben retten und intensivmedizinische Ressourcen schonen, auf der anderen Seite vernichtet er nicht nur etliche Milliarden Euro, es werden auch Menschen an ihm zugrunde gehen (Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen, häusliche Gewalt, etc.).

Welches Lager hat denn nun Recht? Die Befürworter, die hinter dem Kurs der Regierung stehen oder die Kritiker, die eher zu einer Durchseuchung der Gesellschaft und dem Schutz der Risikogruppe tendieren? Meiner Meinung nach keines von beiden! Egal welches und wie viele Szenarien man betrachtet, ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand den Ausgang vorhersagen kann. Ich bin kein Mediziner. Daher vergleiche ich die Situation mal mit einer Materie, in der ich mich auskenne. Ein Automobilhersteller steht vor der Frage, welches die beste Aufladetechnologie für den neuen Motor ist. Soll man auf Registeraufladung, Zweistufigkeit oder doch auf einen Monoturbo setzen? Zur Entscheidungsfindung werden viele Experten angehört, Veröffentlichungen studiert, Untersuchungen veranlasst, etc. Am Ende steht irgendwann eine Entscheidung. Ob diese richtig ist, weiß man allerdings auch dann noch nicht zu 100%. Dieser skizzierte Prozess war im Fall von Corona allerdings nicht möglich, denn es fehlte schlicht die Zeit dafür. Hätte man die Meinung von vielen Experten angehört, auf wissenschaftliche Untersuchungen und Analysen gewartet und sich darüber gestritten, hätten wir bis heute keine Entscheidung. Viele Köche verderben den Brei. Die Bundesregierung musste unter Zeitdruck handeln und das hat sie getan.

Meine persönliche Haltung zu dem Thema ist wie folgt. Mich stören die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen sehr. Vor allem finde ich es furchtbar, dass ich nicht reisen darf wann und wohin ich will! Ich kann damit aber leben, wenn auch nur temporär. Ich finde die Bundesregierung hat in Anbetracht der Situation bisher einen akzeptablen bis guten Job gemacht. In einem solchen Ausnahmezustand agiert niemand fehlerfrei! Ich bin kein Fan von Frau Merkel und schon gar nicht von ihrer Partei. Ich bin jedoch sehr froh, dass unser Land nicht solche Staatschefs hat wie z. B. die USA oder Brasilien.

One thought on “Corona – Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Freiheit

  1. Ja, auch ich fühle mich irgendwie „gestört“ dadurch, dass ich nicht dahin kann, wo ich will.

    Und um so mehr, als dass das bei mir schon ein bisschen länger so geht. Vor 3 Jahren glaubte ich mich am Ziel meiner Träume: Endlich beruflich kürzer treten, endlich viel öfter reisen. Dann kam immer wieder was anderes dazwischen. Jetzt halt Corona. Und danach wird wieder irgendwas sein.

    ABER so langsam bin ich es leid, mich darüber aufzuregen. Zumal: Ist das nicht Jammern auf hohem Niveau? Können wir uns nicht freuen, dass wir in Deutschland trotz Corona noch so viele Freiheiten haben? Dass wir ein gutes Gesundheits-System haben und viel weniger Sorge um unser Überleben haben müssen als wenn wir in einem Entwicklungsland leben würden? Dass es auch ein Leben nach Corona geben wird und wir dann auch wieder so viel mehr Möglichkeiten haben werden als in großen Teilen der Welt?

    Oh, think twice, it’s just another day for you and me in paradise…

    Das war jetzt mein Wort zum Sonntag… oder Donnerstag oder so…

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