Autofahren in Island

Einen Artikel über das Autofahren in einer Region oder einem Land habe ich bisher noch nicht geschrieben. Von einer Wohnmobiltour mal abgesehen, ist es in erster Linie doch eher Mittel zum Zweck und weniger ein primäres Reiseerlebnis. Weiterhin kann man als Autor auch kaum schöne Fotos einbinden, die mit der Fortbewegung im Kfz im direkten Zusammenhang stehen.

In Island verbringt man jedoch viel Zeit im Auto. Ich kann mir vorstellen, dass den einen oder anderen Leser, der mit dem Inselstaat im hohen Norden nicht so vertraut ist, dieses Thema interessieren könnte. Daher werde ich im Folgenden ein paar Sätze aus meiner Sicht dazu schreiben.

Man könnte sich theoretisch auch mit Bussen fortbewegen, was aber wenig flexibel ist und einer sehr guten Planung bedarf. Abgelegene Regionen mit kleinen Ortschaften werden von den Linienbussen auch nicht angefahren. Straßenbahnen, Züge und andere Schienenfahrzeuge gibt es gar nicht. Und um Island mit dem Fahrrad zu bereisen, muss man bei dem stets vorhandenen Wind und den schnellen Wetterwechseln schon hartgesottener Abenteurer sein. Für die allermeisten Touristen ist daher das Auto ein Muss.

Straßennetz

Autobahnen gibt es in Island nicht. Das Stadtgebiet von Reykjavik durchziehen zwar einige mehrspurige Straßen, die teilweise wie Autobahnen wirken und auch viel befahren sind, offiziell handelt es sich dabei aber um Landstraßen. Die wichtigste Straße ist die Nr. 1. Die Ringstraße, die Island – wie der Name vermuten lässt – einmal umrundet, ist mehr als 1300 km lang. Es ist auch die einzige Straße mit einer einstelligen Nummerierung. Die Ringstraße ist mittlerweile durchgängig asphaltiert und weitestgehend zweistreifig ausgeführt (ein Fahrstreifen pro Richtung). Ausnahmen sind einige wenige mehrspurige Abschnitte und einige Brücken, die nur einspurig befahrbar sind.

Zweistellig benummerte Straßen sind in der Regel auch gut befahrbar und ausreichend ausgebaut. Straßen mit dreistelligen Nummern sind dann oft schon deutlich schmaler und manchmal nicht durchgängig asphaltiert. Solange aber die Nummer einer Straße nicht mit einem “F” beginnt, dürfen auch Schotterpisten von allen Autos befahren werden.

Darüber hinaus gibt es dann noch die “F-Roads”, also Straßen, deren Nummern mit einem “F” beginnen. F-Roads findet man vorwiegend im isländischen Hochland. Die Straßen darf man ausschließlich mit Allrad-Fahrzeugen befahren, für “normale” Autos sind sie gesperrt. F-Roads kann man auch kaum als Straßen bezeichnen. Sie sind fast durchgängig als Schotterpisten ausgeführt und man muss u.a. mit vielen und teils sehr tiefen Schlaglöchern rechnen. Weiterhin gibt es im Hochland viele Flüsse, aber nur sehr wenige Brücken. Flüsse müssen daher oft durchfahren werden. Das muss man können. Strömung und Wasserstand sollte man kennen oder zumindest einschätzen können, die richtige Geschwindigkeit ist auch wichtig. Jedes Jahr müssen leichtsinnige Touristen aus dem Hochland gerettet werden, weil sie sich mit ihren Mietwagen in Flüssen festfahren. Das wird dann sehr teuer. Wer ins Hochland möchte, sollte überlegen, ob ein Bus oder eine geführte Jeep-Tour vielleicht die bessere Alternative ist.

Das Autofahren

Wer sich scheut in fremden Ländern Auto zu fahren, sollte in Island anfangen – wenn nicht hier wo dann? Es gilt Rechtsverkehr und abgesehen vom Großraum Reykjavik ist die Verkehrsdichte sehr gering. Bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von maximal 90 km/h ist man zudem sehr entspannt unterwegs. Bei freier Fahrt fahre ich immer mit 100 km/h. Damit kommt man gut voran, und es ist noch in der Toleranz bzgl. der Geschwindigkeitsüberschreitung. Einheimische Fahrer erkenne ich dann daran, dass sie mich mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholen.

Unter normalen Umständen ist Autofahren in Island fast wie eine Therapie. Man gleitet mit relativ geringer Geschwindigkeit durch die Gegend. Man blickt in die Landschaft, die leer aber doch so faszinierend schön ist. An Kreuzungen stehen Wegweiser. Auch wenn ich weiß, in welche Richtung ich fahren muss, schaue ich da jedes Mal drauf. Ich kann nicht begründen warum, aber ich finde es gibt nirgendwo so schöne Wegweiser wie in Island.

Eine willkommene Abwechselung zum Fahren sind die Pausen an den N1-Tankstellen. N1 ist der größte Tankstellenbetreiber des Landes und wir stoppen eigentlich ausschließlich an deren Stationen. Oft gibt es neben den Zapfsäulen auch einen Shop. Im Gegensatz zu Deutschland muss man den Shop eigentlich nicht betreten, da normalerweise mit Karte direkt an der Säule gezahlt wird. Wir gehen jedoch immer rein, um uns mit Hotdogs und Kaffee zu versorgen. Von unserem bevorzugten Mietwagenanbieter bekommen wir immer Coffee-for-free Coupons und Hotdogs sind isländisches Nationalgericht. Die Wurst besteht zum Teil aus Lammfleisch, muss man mal probieren! Gerade in ländlichen Gegenden sind Tankstellenshops auch Treffs für Einheimische. Hier trifft man sich auf einen Kaffee, auf einen Schnack oder einfach nur, um ein paar Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen.

Stopp an einer N1 irgendwo im südlichen Hinterland

So schön und so entspannt das Autofahren in Island aber auch ist, es lauern doch auch einige Gefahren:

  • Sturmböen
  • Sandstürme (in erster Linie im Süden)
  • Tiere auf der Fahrbahn (Schafe, seltener Pferde)
  • plötzlich verengte Fahrbahn (z.B. einspurige Brücken)
  • Ablenkung durch Landschaft, monotones Cruisen, o.ä.

Wenn man sich dieser Gefahren bewusst ist, sich darauf einstellt und ggf. die Geschwindigkeit entsprechend anpasst, fährt man ziemlich entspannt.

Fahren im Winter

Wenig überraschend kommen im Winter ein paar Herausforderungen dazu:

  • Schnee
  • Schneewehen
  • Schneestürme
  • vereiste Straßen
  • plötzlich überfrierende Straßen
  • Straßensperrungen

Es gibt allerdings auch einen großen Pluspunkt. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Island erlaubt mit Spikes zu fahren. Auf glatten Straßen sind Spikes ein wahrer Segen. Benagelte Winterreifen sind zwar kein Freifahrtschein, bieten aber im Vergleich zu normalen Winterreifen ein Vielfaches an Grip.

Welcher Mietwagen

Die Wahl des Mietwagens und dessen Versicherung bietet wahrscheinlich das größte Sparpotenzial bei den Kosten einer Islandreise. Wenn man nicht plant auf F-Roads zu fahren und sich größtenteils nur auf asphaltierten Straßen fortbewegt, reicht theoretisch ein Kleinwagen mit der einfachsten Versicherung. Das würde die Reisekasse deutlich entlasten. Aber…

Die bereits erwähnten Sandstürme treten gar nicht so selten auf und können den Lack der Autos buchstäblich abschmirgeln. Dafür gibt es tatsächlich eine spezielle Versicherung. Weiterhin haben wir festgestellt, dass manche Nebenstraßen – auch asphaltierte –  mit Steinchen übersäht sind. Werden diese aufgewirbelt, sind Lackschäden vorprogrammiert. Auch Schäden durch Tiere und durch Steinschläge sind denkbar und nicht so unwahrscheinlich. Die Basisversicherungen decken diese Schäden nicht ab. Man sollte sich gut überlegen, ob man an der Versicherung des Mietwagens sparen möchte. Schäden jeglicher Art können immense Kosten verursachen.

Wir hatten bisher immer ein SUV mit Allradantrieb (4×4). Im Sommer planten wir damals einen Tag im Hochland zu verbringen, da war ein 4×4-Fahrzeug gesetzlich vorgeschrieben. Im Winter würde ich sowieso immer einen Allrad mieten. Man kann am Paket Mietwagen sparen, ich würde es allerdings nicht tun. Meine Empfehlung wäre ein kleines SUV mit Allradantrieb und dazu das komplette Versicherungspaket. Das ist zwar nicht günstig, aber kalkulierbar. Böse Kostenüberraschungen lauern dann nur noch, wenn man an der Zapfsäule Diesel statt Benzin tankt.

Vielleicht ist Autofahren in Island doch ein wenig mehr als nur Mittel zum Zweck. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn wir beim nächsten Besuch neue Straßen und Pisten auf vier Rädern erkunden.

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One thought on “Autofahren in Island

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