Interview mit einem GC-Pionier

Quelle: Wikipedia

Über diesen Blogbeitrag freue ich mich persönlich ganz besonders, denn mit Luke Short konnte ich einen Veteranen der niedersächsischen Geocachingszene für ein Interview gewinnen. In meiner Anfangszeit habe ich nicht lange gebraucht, um festzustellen, dass die Caches von Luke Short besondere sind. Er führt die Suchenden an attraktive Locations, die sehr oft einen historischen Hintergrund haben. Geht man diese Aufgaben mit offenen Augen und gut vorbereitet an (z. B. aufmerksames Lesen des Listings), kommt man zwangsläufig mit dem Flair des ursprünglichen Geocachings in Berührung. Insbesondere wird sich natürlich die regionale Community für die Antworten dieses Pioniers interessieren, doch auch überregionale Cacher dürfen auf die Statements von Luke Short gespannt sein.

Röbü-Cacher: Luke Short, laut deines Profils bist Du seit dem 8. Dezember 2002 Geocacher. Was bedeutet es Dir einer der Pioniere in unserer Region zu sein?

Luke Short: Es ist schon ein schönes Gefühl, den Beginn des Geocachings fast von Beginn an miterlebt zu haben und jetzt immer noch dabei zu sein. In der Gifhorner Region gab es damals nur sehr wenige Geocacher, entsprechend übersichtlich war die Cachedichte. Oft waren weite Fahrten nötig, um wieder mal einen Cache suchen zu können.
Als Pioniere definiert man ja im Allgemeinen „Wegbereiter, die maßgeblich die Anfänge einer Entwicklung mitbestimmt haben“. So gesehen waren die „Geocacher der ersten Stunde“ sicherlich Pioniere, also im weitesten Sinne Mitgestalter und Wegbereiter. Nicht nur das Suchen anderer Caches, sondern vor allem das Erstellen und Auslegen eigener Caches bedeutet immer auch Mitgestaltung dieses Spiels – das war in der Anfangszeit nicht anders.

Wie bist Du damals zu dem Hobby Geocaching gekommen?

Zwei Jahre nach dem ersten Cache auf deutschem Boden hörte ich das erste Mal von dieser neuartigen „Schnitzeljagd“. Ein Zeitungsartikel in der Ortspresse weckte mein Interesse, und schnell hatte es mich gepackt. Versteckte Schätze finden, das klang nach Abenteuer und Herausforderung – das Kind im Manne war geweckt.

Schnell war ein Cache in der Nähe ausgemacht, den ich suchen wollte: ‚Gifhorn‚ von JoDo. Erfreulicherweise existiert dieser altehrwürdige Multi bis heute!
Vor Ort tat ich mich dann doch sehr schwer und musste lange suchen, aber ich fand die Box und war stolz wie Bolle. Mir ging’s wie den meisten Cachern auch heute noch: Den ersten Cache vergisst Du nie!

In meinen Anfangszeiten als Geocacher war ich nur mit Papierkarte (Topo 25.000) und Kompass unterwegs. Unentbehrlich für die Vorbereitungen am PC war allerdings die CD-ROM ‚TOP50 Niedersachsen/Bremen‘, die ich bis heute nutze.
Meine ersten 45 Caches habe ich noch ohne GPS-Gerät suchen müssen – da lernt man die Basics (kennen und lieben)! Mein erstes Gerät war dann das ‚GPS 72‘ von Garmin – noch ohne Karte, aber sehr präzise; heute bin ich mit dem ‚Oregon 450‘ unterwegs.

Du hast Dich nach einem amerikanischen Geschäftsmann, Spieler und Revolverhelden benannt. Wie kam es dazu, dass Du gerade diesen Nickname gewählt hast?

Schon seit meiner Jugendzeit bin ich Western-Fan. Die Ereignisse und Personen des „Wilden Westens“ übten stets einen besonderen Reiz auf mich aus.
In Reiseberichten, Filmen und Büchern tauchte – meist im Zusammenhang mit Wyatt Earp – immer wieder ein Luke Short auf: Cowboy, Army Scout, Händler, Revolverheld, Box-Promotor, Saloon-Besitzer. Ihm galt mein besonderes Interesse. Wie ich seiner Biographie entnehmen konnte, war er tatsächlich enger Freund und Weggefährte von Wyatt Earp und Doc Holliday, den eigentlichen Protagonisten der „Wyatt Earp-Ära“.
Luke Short starb im Alter von 39 Jahren – nicht durch eine Kugel im Staub der Straße, sondern an Nierenversagen.
Irgendwie blieb ich an diesem Luke Short hängen, und so machte ich ihn später zu meinem GC-Nickname.

Du bist im Dezember diesen Jahres seit unglaublichen 15 Jahren dabei. In so einer langen Zeit hast Du bestimmt sehr viel erlebt. Welches Erlebnis ist Dir dabei in besonderer Erinnerung geblieben?

Mir fallen da zwei spannende und ungewöhnliche Erlebnisse ein, die mir in besonderer Erinnerung bleiben werden:

  • Da war dieser freche Cache, der mich maximal herausgefordert hat wie kaum ein anderer: ‚Ey…du kummst hier net rein‚. Eine (fast) unlösbare Aufgabe: Wie komme ich als vollkommen Unberechtigter(!) unerkannt aufs Gelände, und vor allem: Wie komme ich mit heiler Haut wieder weg? Adrenalin pur, werde ich nie vergessen!
  • Und da gab es einen Cache, bei dem ich gleich zwei Mal ein unbeschreibliches „FTF-Gefühl“ genießen konnte – in einem Abstand von über 12 Jahren: ‚Barf!‚. Bei diesem archivierten und verschollen geglaubten Cache öffnete sich nach den vielen Jahren zum ersten Mal wieder der Deckel – Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis!

Hast Du einen Lieblingscache? Falls ja, welcher ist das und warum?

Ich habe sehr viele außergewöhnliche und empfehlenswerte Caches finden können, da ist es schwer, einen Lieblingscache zu „nominieren“. Aber einer sticht aus der Masse heraus, den habe ich nicht nur „gefunden“, den habe ich „erlebt“: It´s a sin – Tod in Remshalden Bonus‚. Von diesem famosen Cache in Baden-Württemberg bin ich nach wie vor schwer beeindruckt.

Schon die neun anderen Caches, die man vorher gefunden haben muß, um an den Bonus zu kommen, sind ein spannendes Erlebnis und haben mich begeistert. Das Thema der sieben Todsünden zieht sich passend durch diese morbide Cache-Serie. Der Bonus-Cache setzt dem Ganzen aber noch die Krone auf, ein Underground-Multi der Spitzenklasse – thematisch gelungen und auch von der gewählten Location eine Herausforderung der besonderen Art.

Wie bist Du auf diese Serie aufmerksam geworden und bist Du damals extra deswegen nach Baden-Württemberg gereist?

Natürlich bin ich nicht extra wegen des Caches nach Baden-Württemberg geflogen! Ich war damals aus privaten Gründen sehr regelmäßig dort zu Besuch und habe immer die Gelegenheit zum Cachen genutzt; so kamen im Laufe der Zeit insgesamt 249 Ba.-Wü.-Caches zusammen.
Auf die erwähnte ‚Tod in Remshalden-Serie‘ machte mich eine befreundete Cacherin aufmerksam.

Welches ist Dein liebster Cachetyp und warum?

Auch wenn ich bisher mehr Multis als Mysterys gefunden habe, so mag ich doch inzwischen mehr die Rätsel-Caches. Hier habe ich eine doppelte Herausforderung: Das Rätsel lösen und dann den Cache vor Ort finden.
Wenn ich bei manchen Aufgaben absolut nicht weiterkomme, ist mein Ehrgeiz geweckt, den Cache trotzdem – auch ohne fremde Hilfe – zu finden, was mir erfreulicherweise auch häufig gelingt. Aufmerksames Lesen, zielorientierte Recherche, Suche im Ausschlussverfahren, logisches Schlussfolgern und Cacher-Erfahrung sind meine probaten Helfer.

Neben Deinen gefundenen Dosen hast Du auch fast 50 Caches selbst versteckt. Zumindest die im Raum Gifhorn durfte ich so ziemlich alle finden. Wenn ich diese thematisch zusammenfassen müsste, würde ich sagen Luke Short legt gerne Caches an Locations mit kulturhistorischem Bezug, wie z.B. ‚Napoleonsbrücke‚, ‚Lost Runway‚ oder ‚Ruheplatz‚. Darüber hinaus findet man aber auch Dosen, die ein wenig Nervenkitzel bzw. ich nenne es mal Verrücktheit erfordern (z.B. ‚Rein – oder Klappe halten!‚ oder natürlich ‚Präsentierteller‚*). Kann man sagen, dass die Interessen von Luke Short kulturhistorisch mit einem kleinen Hang zum Verrückten sind?

Das trifft es schon recht gut. Ein bißchen verrückt darf ein Geocacher ruhig sein, was dann auch die Wahl seiner Verstecke betrifft. Meine Caches sollen sowohl mir als auch dem Suchenden Spaß machen, eine gewisse Qualität haben und etwas Besonderes zeigen. Etwas Nervenkitzel und „Verrücktheit“ darf dann auch mal dabei sein.

Mein Hauptinteresse liegt aber in der Tat auf kulturhistorischem Gebiet. Ich war schon immer heimatkundlich und historisch sehr  interessiert. Einige historisch relevante Örtlichkeiten und Objekte, die ich mit meinen Caches zeige, musste ich mir auch zunächst – teils mühsam – erarbeiten, weil die Stellen seinerzeit schwer zu lokalisieren waren; z.B.: ‚Teehaus Lopau‚, ‚Mennickenstein‚, ‚Waldbunker‚, ‚Kreuztaler Tunnel‚, ‚Bismarck-Tunnel‚, ‚Bielstein-Tunnel‚, ‚Panther‚, ‚Lager Räderloh‚, ‚Dora‚.

Während deiner langen aktiven Zeit hast du sicher viele Aufs und Abs mitgemacht. Zurzeit berichten viele Blogs einstimmig, dass der Trend beim Geocaching seit einigen Jahren rückläufig ist. Beschäftigst Du Dich damit? Wie bewertest Du diesen Trend?

Ich verfolge diesen Trend nicht besonders, aber eine gewisse Rückläufigkeit kann auch ich beobachten.
Woran es liegt, kann ich nicht sagen. Die Leute verlangen ja heute schnell nach etwas Neuem; genauso schnell sind sie oft auch wieder ernüchtert, das Interesse nimmt ab, und andere (neue) Dinge werden zur Priorität.
Möglich ist auch, dass die Verantwortlichen (Groundspeak, USA) nicht nahe genug „am Puls der Zeit“ sind, es an Innovationen und konstanter Weiterentwicklung fehlen lassen. Um das Hobby attraktiv zu halten und um neue „Kunden“ zu akquirieren, sind sicher neue Ideen und mutige Schritte gefragt.

Ich habe mal versucht die GC-Karte von Ende 2005 zu rekonstruieren und habe diese mit der von 2016 verglichen (siehe Bilder). Der Unterschied ist offensichtlich. In wie fern hat sich das Spiel im Laufe der Jahre aus Deiner Sicht verändert, mal abgesehen von der Anzahl verfügbarer Geocaches? Waren die Caches in den frühen Jahren qualitativ hochwertiger? 

Es gibt nach wie vor sehr viele qualitativ hochwertige Caches, an denen man sich freuen kann und die man gerne weiterempfiehlt. Auch manche Neueinsteiger haben gute Ideen und legen tolle Caches, die Spaß machen. Caches, die mir richtig gut gefallen, bekommen von mir nicht nur einen Favoritenpunkt, sondern auch einen entsprechend langen und lobenden Logeintrag.
Auf der anderen Seite erlebe ich aber auch eine seit Jahren zunehmende Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit bei manchen Geocachern. Schon oft habe ich mich geärgert über banale Langeweile-Tradis oder gleichgültig und lieblos in die Botanik geworfene Filmdosen. Es kommt auch immer wieder vor, dass ich mich an Finals frage: „Was will mir der Owner hier bloß Interessantes zeigen?“ Von daher habe ich mir schon oft ein „Back to the roots“ gewünscht.
Ja, manche Caches waren aus meiner Sicht in den frühen Jahren qualitativ hochwertiger. Aber auch heute finde ich immer wieder echte „Qualitäts-Caches“, Sahnestückchen, die mich begeistern und über die ich mich richtig freue!

Geocaches im Landkreis Gifhorn: 2005 (links) und 2016 (rechts, archivierte ausgeblendet)

Heißt das, dass Du Dir manchmal die Karte von 2005 zurück wünschst oder begrüßt Du die größere Auswahl von heute?

Nein, die Karte von 2005 wünsche ich mir nicht zurück. Ich liebe und genieße die größere Vielfalt von heute! Eine höhere Cachedichte bedeutet doch auch eine sehr viel größere Auswahlmöglichkeit; für jeden Geschmack und jeden Anspruch ist etwas dabei, das ist doch prima!

Ich bin jetzt seit etwa vier Jahren dabei. Was würdest Du mir raten, um am Hobby Geocaching so lange Zeit Gefallen zu finden wie Du?

  • Lass Dich nicht von den Strömungen der (Geocaching-)Zeit hin- und herreißen.
  • Man muss nicht alles mitmachen, und man muss nicht alles gut finden.
  • Mach „Dein Ding“ und achte auf Qualität.
  • Sei offen für Neues. Bleibe neugierig und kreativ.
  • Bleibe lernwillig und kritikfähig.

Eine abschließende Frage habe ich noch. Planst Du aktuell einen Cache in der Region Gifhorn oder müssen wir uns mit dem nächsten Werk von Luke Short noch gedulden?

Ja, es gibt aktuell einen neuen Cache, der schon gelegt und zum Publish eingereicht ist (ein 3/3-Sterner, Nähe Wesendorf). Ein weiterer Cache ist in grober Vorplanung und hat „militärhistorischen“ Hintergrund.

Da werde ich ganz bestimmt nicht der Einzige sein, der sich darauf freut. Luke Short, hab vielen Dank für die Bereitschaft Dich meinen Fragen zu stellen und für Deine offenen und ehrlichen Antworten. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß und viele interessante Funde.

* siehe auch Seite „Hall of Fame

 

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