Tarzaning im Passeiertal

Die Herbstferien haben wir genutzt und sind für sechs Tage in den Süden aufgebrochen. Nach einer Zwischenübernachtung in

 Bayern gastierten wir den Rest der Zeit in Südtirol. Wir verbrachten viel Zeit bei schönem Herbstwetter an frischer Luft. Wandern in Verbindung mit einem Klettersteig und Fahrradfahren stand auf dem Programm. Der fest eingeplante Tagestrip nach Bozen fiel wegen der Covid-19 Pandemie leider aus. Aufgrund der hohen und steigenden Infektionszahlen verzichteten wir auf diesen Besuch. Statt dessen buchten wir eine ganz verrückte Aktivität – Tarzaning!

Dafür fuhren wir in den Ort St. Martin ins Passeiertal und trafen dort unseren Guide Erwin Mairginter. Erwin ist seit fast 30 Jahren Bergführer. Das Tarzaning hat er quasi erfunden und den Parcours im Passeiertal nur mit Hilfe seines Sohnes selbst aufgebaut. Wer sich mit Tarzanfilmen auskennt, kann sich vorstellen was zu tun ist. Auf Bäume und an Felsen klettern, sich aus großen Höhen abseilen und natürlich an „Lianen“ schwingen. Action ist also garantiert – sehr fein!

Nach einer kurzen Anfahrt erreichen wir das Tarzaning-Gelände in der Schlucht der Passer. Nach der Verteilung der Ausrüstung (Helm, Gurt, Klettersteigset und Abseilkarabiner) und einer kurzen Einweisung wird uns schnell klar, dass Erwin nicht nur viel Erfahrung sondern auch eine Menge Kompetenz mitbringt. Wir fühlen uns von Beginn an gut aufgehoben.

Der Parcours selbst ist einfach nur klasse. Das künstliche Ambiente, das so mancher Hochseilgarten ausstrahlt, fehlt hier völlig. Alles wurde sehr geschickt, mit viel Liebe zum Detail und fast unauffällig in die Natur integriert. Zunächst wollte Erwin einen Eindruck gewinnen, wie wir uns bewegen. Dazu mussten wir ungesichert einen großen Felsblock umklettern. Zwar gab es ausreichend viele Griff- und Trittmöglichkeiten, ein Sturz in die eiskalte Passer hätte aber wohl ein schnelles Ende des Nachmittags bedeutet. Wir blieben aber alle trocken und auch das Umkreiseln am Seil eines weiteren Felsblocks bekamen wir alle hin.

Nach zwei Abseilübungen, für die Erwin als Sicherungstechnik einen Halbmastwurf mit Karabiner einsetzt, ging es zu einem richtig schönen Klettersteig. Dort gibt es zwar keine ausgesetzten Passagen mit viel Luft unter den Füßen, aber unter der Route rauscht das Wildwasser der Passer.

Ein Sturz hätte hier fatale Folgen, aber gut gesichert hat man auf diesem Via Ferrata eine Menge Spaß. Ein gewisses Maß an Sportlichkeit und Gleichgewichtssinn sollte man allerdings mitbringen.

Vor einer willkommen Trinkpause versprach uns Erwin noch einen „Rodeo Ride“. Dazu mussten wir über Seilbrücken, Holz- und Strickleitern ca. 20 Meter hoch in die schlanken Fichten klettern. Ich war das Schlusslicht unserer Gruppe und war gerade auf der letzten Leiter als diese zusammen mit der Fichte stark hin und her schwang. Es war ein etwas beunruhigendes Gefühl in dieser Höhe auf einer selbst gebastelten Holzleiter. Die Ursache dafür begriff ich beim Blick über die Schulter. Unser Junior wurde von Erwin an einem etwa 30° schräggespannten Seil so ruckartig in die Tiefe gelassen, dass er daran zappelte wie ein Fisch an der Angel. Das war also der Rodeo Ride!

Nach der Pause folgten dann noch die Flugeinlagen, wahrscheinlich die Höhepunkte des Tarzaning. Gestartet wird mit einer Seilrutsche. 40 Meter über der Passer rauscht man an einem Stahlseil ca. 100 Meter diagonal über die Schlucht. Klar, dass dabei ein Tarzanschrei her musste. Was für ein Spaß, der leider viel zu schnell vorbei geht. Den Rückweg bewältigt man in ähnlicher Art und Weise, nur gerade und damit etwa halb so lang.

 

Den krönenden Abschluss bildet dann das Schwingen an einer „Liane“. An einer Reckstange hängend lässt man sich mit einem Kletterseil am Gurt in die Schlucht fallen. Der freie Fall in die fiese, unendlich scheinende Tiefe wird vom Seil aufgefangen. Ein paar Pendelschläge später hat man wieder Boden unter den Füßen und damit die Gewissheit diesen „Dschungel-Parcours“ überlebt zu haben.

Ich kann das Tarzaning im Passeiertal uneingeschränkt empfehlen. Bei Erwin ist man bestens aufgehoben und das Gelände mit den vielen tollen Stationen ist einfach sagenhaft! Machen – unbedingt machen!

 

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